Filmkritik – A Monster Calls

poster_Monster_DE_zoomIn seinem Film „Sieben Minuten nach Mitternacht“, erzählt J.A. Bayona eine eindrückliche Geschichte (geschrieben von Patrick Ness), die so weh tut, wie sie wahr ist. Sie handelt von dem zwölfjährigen Conor O’Malley, welcher in einem immer wiederkehrenden Albtraum erleben muss, wie seine Mutter aus seinem Halt in einen Abgrund stürtzt – verloren für immer. Aber auch die Realität, zeigt sich ihm von keiner besseren Seite. Von seinem jungen Vater vernachlässigt, in der Schule schikaniert; und eine Großmutter die nicht das warme Klischee abgibt, sondern sich mehr von ihrer kalten Seite zeigt. Seine größte Sorge ist jedoch seine, an Krebs erkrankte Mutter, welche ihn doch als einzige wirklich zu lieben weiß. Kein Wunder also, dass sich Conor nicht sonderlich beeindruckt zeigt, als eines nachts das Monster in Form einer Baumartige Kreatur vor seinem Fenster auftaucht. Dessen Augen speien Feuer und die stimmig ist knorrig und eindringlich. Das Monster wird mehrere Male wieder kommen, immer um sieben Minuten nach Mitternacht und dem jungen Conor drei Fabeln erzählen. Er soll aus diesen Geschichten lernen, dass es nicht immer zwei Seiten gibt, zwischen denen man wählt. Im Gegenzug soll Conor seine eigene Geschichte erzählen, auf dass das Monster ihm deren wahre Bedeutung erklären kann.
Die Handlung des Films wird dem Zuschauer sehr eindrücklich erzählt und gibt somit die Möglichkeit, sich in das Leben des Conor O’Malley gut einzufühlen. Dank der Ratschläge des Monsters, entsteht beiläufig eine gar psychologische Wirkung, welche als sehr beruhigend zu empfinden ist. Das Thema Krebs und Tod werden hier vereint dargestellt in teils schöner, teils auch erschrenkender Weise und summieren sich mit den Faktoren, die Conors Leben noch zusätzlich belasten.
Der Film weist eine beeindruckende Leistung des Regisseurs auf, welche das zutiefst schöne Märchen auf eine sehr vielfältige Weise darzustellen weiß. Ein typisch englisches Ambiente, eine Reihe von bezaubernden Animationen aus dem Stop-Motion und Aquarell Genre, welche die Geschichten, die das Monster erzählt, wunderbar darzustellen wissen, und die Seele des ganzen bildet der junge Lewis MacDougall, welcher die verzweifelte, wütende und frustierte Art des Hauptcharakters höchst emotional spielt. Bis auf einige Fehler in der farblichen Abstimmung der Green Screen Szenen, welche leider auch teils sehr offensichtlich sind, ist den Machern mit „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ein schiergar makelloses Werk gelungen, welches mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, als es bekam.

Ein zutiefst schönes Märchen, in dem eine Wahrheit steckt, die so weh tut, wie sie wahr ist. 

Filmkritik – The Founder

The_Founder_PosterIn seinem Film „The Founder“, erzählt Regisseur John Lee Hancock die Geschichte eines Unternehmens, welches die USA so nachhaltig und deutlich wie kein anderes geprägt hat, McDonald’s. Das kulinarische Angebot mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein, jedoch ist die Entwicklung des Fastfood-Giganten definitiv schmackhafte Aufsteiger-Story. Sie handelt in erster Linie von Ray Kroc (Michael Keaton), Vertreter für Milchshake-Mixer, der Anfang der 1950er Jahre nur äußerst mäßige Erfolge vorzuweisen. Der charismatische Vollblutverkäufer denk jedoch auch nach vielen gescheiterten Geschäftsideen nicht daran aufzugeben und träumt den amerikanischen Traum. Als er zufällig von einem revolutionären Schnellrestaurant im kalifornischen San Bernardino hört, wittert er die Chance seines Lebens. Trotz ständigem Widerstand der Brüder McDonald, welche zu der Zeit die Betreiber des Burger-Lokals mit selbst entwickeltem „Speedy-System“ sind, gelingt es Ray durch Hartnäckigkeit und Raffinesse, die Franchise-Rechte zu erwerben. Doch bis daraus ein erfolgreiches Fast-Food-Imperium werden kann, gilt es für Ray Kroc noch unzählige Hindernisse aus dem Weg zu räumen und unliebsame Entscheidungen treffen.
The Founder erweist sich zunächst als höchst stimmiges, detailgenaues Portrait der fünfziger Jahre, das Zeitgeist und Kolorit kongenial wiederzuspiegeln versteht. Entlang der Entstehungsgeschichte des späteren Fastfood-Giganten verhandelt Hancocks Inzenierung anhand der Protagonisten zwei grundsätzliche Positionen: Während die Brüder McDonald die typischen kreativen Geister sind, für die vor allem ihre Idee und die Begeisterung dafür im Mittelpunkt stehen, repräsentiert Ray Kroc jenen „Businessman“, für den Profit und eigener Vorteil über allem stehen – welches Geschäft man betreibt, ist dabei nur Nebensache. Dass es auch im Fall von McDonalds dabei nicht nur Gewinner geben kann, wird in the Founder sehr bald deutlich.
John Lee Hancock erzählt die Geschichte jedoch nicht als Charakterdrama, sondern nimmt eine beinahe als neutral zu bezeichnende Beobachter-Position ein. Das wirkt streckenweise nüchtern und distanziert, doch The Founder bezieht trotzdem ziemlich deutlich Stellung, was vor allem der Leistung von Michael Keaton geschuldet ist. Ohne in Klischees zu verfallen oder seinem Charakter billig zu dämonisieren, zeichnet Keaton den Mann, der vom „Time“-Magazin immerhin zu einer der hundert bedeutendsten Persönlichkeiten des Jahrhunderts gekürt wurde, wenig schmeichelhaft. Zwischen schmierigem Vertretercharme und skrupelloser Geschäftstüchtigkeit, entwickelt Kroc seine ganz eigene Auslegung des Utilitarismus, die da lautet: Gut ist, was mir nützt. Eine Haltung, die er mit der Zeit auch auf sein Privatleben überträgt, ohne dabei auch nur einen Hauch von Skrupel zu verspüren.

Am Ende scheint Ray Kroc jenen Aphorismus zu bestätigen, den Mario Puzo seinem Roman „The Godfather“ vorangestellt hat: „Hinter jedem großen Vermögen steht ein Verbrechen.“ 

Filmkritik – King Arthur: Legend of the Sword

arthurGERKing Arthur. Ein Meisterwerk der modernen Filmkunst. Regisseur Guy Ritchie, erzählt in seiner Verfilmung der Legende um das Schwert im Stein, die Geschichte von Arthur, später König Arthur. Nach der Ermordung seiner Eltern durch Arthurs machtgierigen Onkel Vortigern wird der junge Königssohn in einem kleinen Boot am Hafen von Londinium angeschwemmt und wächst unter Prostituierten und Kämpfern auf. Zusammen mit zwei Freunden ergründet er sich sein eigenes kleines Imperium, unwissend seiner Herkunft und verschafft sich so ein angenehm, wohlhabendes Leben. Doch das Schicksal, sowie die ungewollte Begegnung mit königlichen Streitkräften führen ihn zum Schwert Excalibur, welches es gilt, für den König und Magier Vortigern, aus dem Stein zu ziehen. Arthur gelingt dies problemlos, doch was er nicht weiß ist, dass nur der rechtmäßige Erbe dazu befähigt ist und Vortigern, um die Macht des Schwertes zu erlangen, ihn töten will. 

Ein Film, der die Geschichte um die alt britische Legende in einer zu höchst lebendigen Form erzählt. Von der erfolgreichen Verteidigung Chamelots durch Arthurs Vater, bis hin zur späteren Gründung der Tafelrunde, ist es Guy Ritchie gelungen, alle Feinheiten mit einzubeziehen und einen verständlichen und sinnreichen Film, im Rahmen seiner fantasiereichen Geschichte um das mächtige Schwert zu produzieren. Bestärkt wird das erlebnis für den Zuschauer durch das eindrucksvolle Ambiente der Schottischen Highlands, welche im Film nicht zu selten ihre raue aber wunderschöne Natur aufzeigen.
King Arthur ist ein Kinoerlebnis der besonderen Art, welches sich definitiv eine Monopolstellung in Bezug auf moderne Filmkunst aber auch Filmtechnik geschaffen hat. Hier ist es erstmals ausdrücklich lohnenswert, den Spielfilmaufpreis für 3D und Dolby Atmos zu zahlen. Fliegende Splitter, Pfeile, Funken, welche einem wahrhaftig entgegenkommen zu scheinen. Und ein tiefer, besonders eindringlichen Klang der Audio Effekte welche von dem einzigartigen Filmscore à la Daniel Pemberton unterstützt werden. Unter den Darstellern gab es keine Ausnahmen, was die ausgezeichnete schauspielerische Leistung angeht, vom kleinen Arthur bis hin zum bärtigen Wikinger bieten alle eine exzellente und absolut glaubwürdige Leistung auf der Leinwand. Zuletzt muss bei diesem Film zwingend auch die staunenswerte, abstruse Leistung von Cinematograph John Mathieson und Editor James Herbert erwähnt werden. Diese beiden haben ein komplett neues bildliches Konzept für Actionszenen entwickelt, welches das Abenteuer auf der Leinwand noch überwältigender und fesselnder darstellt.

King Arthur ist ein Film, welcher sich als Messlatte für die Spielfilmproduktion nutzen lässt. Bildlich eindrucksvoll, szenisch revolutionär, und unterhaltend von der ersten bis hin zur letzten Minute, mit dringlicher Empfehlung, das Ganze in 3D und Dolby Atmos auf sich wirken zu lassen.

Filmkritik – The Lost City of Z

 

DieVersunkeneStadtZ_poster_DINA3_RGB-minIn seinem Film „The Lost City of Z“ erzählt Regisseur James Gray die wahre Geschichte des britischen Soldaten Percy Fawcett, dem es nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs zu neuen Ufern treibt. Wegen seiner einfachen Herkunft ist ihm eine Karriere beim Militär verwehrt, stattdessen schickt ihn die Royal Geographic Society nach Bolivien, um dort das Land zu vermessen. Die erste Expedition scheitert durch die Feigheit und unzuverlässigkeit eines Wissenschaftlers. Doch Fawcett ist fasziniert vom Dschungel. Und so startet er zu einer zweiten Expedition, ungeachtet der Tatsache, dass er sich durch die jahrelange Abwesenheit von seiner Frau entfremdet und die zwischenzeitlich geborenen Kinder vernachlässigt. Im Dschungel des Amazonas findet er Hinweise auf uralte Zivilisationen. Hier könnte es eine Metropole, die versunkene Stadt Z, gegeben haben. Fawcett lässt diese Idee nichtmehr los. Jahre später begibt er sich mit seinem inzwischen erwachsenen Sohn auf eine letzte Reise, die sich als verhängnisvoll herrausstellen wird. Eine Geschichte von getriebenen Männern, die im Urwald einen Ersatz für bürgerliche Lebensentwürfe suchen. Grays Film beruht auf dem Sachbuch von David Grann, in dem es auch um die britische Gesellschaft im Umbruch, um wissenschaftlichen Fortschritt und um das Ende einer Ära geht. Dramaturgisch gerät der Film ein wenig in Zeitnot. Große Ellipsen und Zeitsprünge – immerhin spannt der 140 Minuten lange Film einen Bogen von 30 Jahren – lassen den Zuschauer mitunter im Unklaren über Konsequenzen und Egebnisse von Handlungen, vieles muss man selbst erschließen und verknüpfen.

Doch The Lost City of Z ist ein besonders bildstarker Film, sowohl farblich – was man nicht zuletzt der hier verwendeten Eclair Color Technologie zu verdanken hat – als auch szenisch beeindruckend, wenn nicht gar einschüchternt insziniert. In die Strapazen, welche die Charaktere durchlaufen, fühlt man sich beinahe ungewollt ein und die Gefahren des Urwalds – Hitze, Feuchtigkeit, Hunger, Durst, Insekten, Krokodile, Ureinwohner – teilen sich dem Zuschauer unmittelbar mit. Der Brite Charlie Hunnam überzeugt als Protagonist (Percy Fawcett) und stellt einen Art Anti-Helden dar, der immer wieder mit seinem Scheitern konfrontiert wird.

Alles in allem ein absolut sehenswerter Film, der jedoch ein wenig Ausdauer vorraussetzt und mit einem plötzlichen Ende schockt.