Matopia – T.EINS

“Matre schläft schon wieder mit offenen Augen!” – “Stoß ihn um, dann spricht er wieder.”
“Ein Rumpeln, ein Schlag auf dumpfes Holz. Der riesige Wandschrank wankt, kippt plötzlich und neigt sich dem eisernen Bettgestell entgegen. Ein mächtiger Mann liegt darin, ein Mann mit grauem Haar- und Bartwuchs, ein Mann mit starken Händen und vernarbtem Gesicht, ein Mann mit weißer Iris und rabenschwarzen Pupillen”, quiekte eine Stimme aus dem Nichts. – “Ein Mann, dessen Name nicht Matre ist!” Wütend schoss Moltrons Hand in die Höhe, durchstieß die massive Kiefertür und stoppte den Koloss eines barocken Schranks.
“Deine Beschreibung meiner Selbst in allen Ehren Mintaka, aber ich bin es leid jeden Tag auf dieselbe Art aus meiner Ruhe gerissen zu werden. Mein Name ist Moltron, Herrscher von Stogmen und Matre wird keinen Fuß in dieses Haus setzen, solange wir noch die selbe Luft einatmen. Das wisst ihr genau und braucht nicht jeden neuen Tag dafür eine Erinnerung.” Er schwung seine Beine aus dem Bett und richtete ruhig seinen Oberkörper auf. Das Bettgestell knarzte unter der Last, welche auf der alten Federmatratze lastete. Die Beine des Mannes steckten in zwei dünnen Hosenbeinen aus altem Stoff, sein Oberkörper war von einem hellen, zerlumpten Hemd bedeckt. Moltron schlürfte um sein Bett herum, hinüber zu dem einzigen Fenster der Mansarde. Auf der kleinen hellblauen Kommode unterhalb des Sims lag eine goldene, mit roten Smaragden verzierte Krone. Moltron griff sie sich, polierte sie mit einem Fetzen seines Hemdes und betrachtete sein Spiegelbild. “Alt bin ich geworden, Körper und Geist. Ich hätte die Tage zählen sollen, welche ich hier verbracht habe. Dann wüsste ich nun wenigstens, wie es um die Welt da draußen steht.”
Er donnerte das Gusseisen gegen die Wand. Seine Wut spiegelte sich in den feucht glänzenden Augen und entlud sich in wütenden Phrasen: “Mit drei unsichtbaren Kreaturen in einem verwunschenen Haus. Mit was um alles im Reiche des Stoog habe ich das verdient?” Moltron blickte aus dem Fenster. Ein rauer Fels stach weit unter ihm ins Bild, Wellen klatschten gegen die Brandung der kleinen Insel.
Die drei Gürtelsterne des Orion waren nun genau im Blickbereich des Fensters gerahmt. “Es ist gleich wieder soweit. Wenn ihr drei so gütig wäret und mir die Türe öffnet.”, wendete er sich an seine unsichtbaren Quälgeister. Die große Standuhr an der Wand links des Bettes, direkt neben dem zerbrochenen Schrank begann zu läuten.
“Sobald die Uhr ihr Liede singt,” begann Mintak. Alnilam setzte auf den zweiten Gong fort: “Und wir hier beisammen sind.” – “Dann Moltron ihr sein Blut erbringt”, schloss Alnitak den Reim ab.
Alsbald die drei ihren Spruch in hämischem Klang vollendet hatten, glitt wie von Zauberhand die hölzerne Tür zum Treppenhaus auf. Moltron blickte dem dunklen Abgang mit den gefährlich kurzen Stufen entgegen. Er wusste, was ihn erwartete. Was er jeden Tag zur selben Uhrzeit als Opfer geben musste. Und was ihn dennoch so faszinierte und gar ein wenig anmachte.
Er tastete sich das Geländer entlang hinunter und ignorierte dabei die höhnischen Gespräche der drei Stimmen, welche er nach den drei Gürtelsternen des Orion benannt hatte. Tot würden sie ihn gerne sehen. Wie nutzlose Lakaie hatten sie einen inneren Drang, alsbald es ihnen möglich war zu Matre zurückzukehren. Doch das war nur über den Tot Moltrons machbar. Sie hatten die Aufsicht, sie mussten ihn kontrollieren.
Moltron hatte die letzte Stufe der Treppe erreicht. An deren Ende war nichts außer einer hölzernen Tür. Ein faustgroßes Loch war auf Brusthöhe in die Latten gebrochen. Kahle, feuchte, gemusterte Tapeten drapierten den Abgang. Irgendjemand hatte mit feinem Pinselstrich ein breit grinsendes Gesicht mit weit aufgerissenen Augen an die Wand gemalt. Moltron konnte sich noch genau an das erste Mal erinnern, an welchem er von den Teufeln in den Keller geführt wurde. Er hatte Todesangst. Mittlerweile war diese vergangen, er hatte sich damit abgefunden, dass er verdammt war hier zu sterben.

Fortsetzung folgt …

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